Crowdsourcing-Plattformen sind bereits eine großartige Lösung zur Unterstützung der Umweltplanung, aber sie könnten diese auch revolutionieren. Web-Plattformen für lokale Co-Kreation sind eine grundlegende Komponente für die permanente demokratische Erneuerung, die durch Bürgerbeteiligungs-Technologien unterstützt wird. Neueste technische Verbesserungen bieten, wenn sie für die Bürger integriert und eingestellt werden können, die Aussicht auf echte Umweltsimulationen. Im Verbund mit Online-Beteiligungen könnte dies eine spannende neue Realität herbeiführen: digitale Stadtentwicklung für alle.

 

Anspruch und Erwartung

Der Ruf nach einer besseren und tiefer gehenden Beteiligung der Allgemeinheit ist sehr deutlich geworden. Die Teilhabe in diesem Bereich wird von großen Erwartungen an die Legitimation und die Effizienz des Planungsaufwandes begleitet. Denken Sie nur an ihre eigenen Erfahrungen: Während sich nicht alle Bürger um Sicherheit, soziale Absicherung und Sport kümmern, würde es bei ihnen in der Kommune sicher anders aussehen, wenn jeder Einwohner sein Mitspracherecht wahrnehmen würde.

Da es alle betrifft, sollten alle Beteiligten sich eine fundierte Meinung zu diesem Thema gebildet haben und mit den neuesten Informationen darüber ausgestattet sein. Letztendlich ist dies eine Frage wo Bürger wirklich ihr Fachwissen einbringen können und wo sie auf jeden Fall angehört werden sollten.

Diese Ansicht wurde durch unseren aktuellen institutionellen Rahmen bestätigt, denn von Rechtswegen ist ein, für die Bürger, offener Planungsprozess verpflichtend vorgesehen.

Allerdings ist dies in vielen Fällen eine Wunschvorstellung. Bürger können, trotz aller Schwierigkeiten, Einspruch gegen einen Plan einlegen, sie haben aber keine Garantie, dass sie bei der zuständigen Behörde ausreichend Gehör finden werden. Und selbst wenn eine solche Garantie gesetzlich vorgesehen ist, kommen solche Einsprüche im Allgemeinen zu spät: Die Pläne befinden sich bereits in einem Endstadium und sind mit andern Plänen zu einem Gesamtprojekt zusammengefasst, die Bürger können dann nur kleinere Änderungen erreichen.

Was ist aber, wenn wir uns dies aus der entgegengesetzten Perspektive anschauen? Die aktuellen Vorgehensweisen beim Einreichen von Projektplänen von der Idee bis zur öffentlichen Anhörung sind mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Sie erfordern das Einrichten von Bürgerversammlungen oder Workshops, beide Maßnahmen benötigen überzeugende Vorgehensweisen, um konstruktive Ergebnisse und kreative Lösungen zu erreichen.

Zugegeben, diese Verfahren bürden den Angestellten in der Verwaltung die Aufgabe auf genügend Interessenten dafür zu finden. Unter dem Strich können ernsthafte Beratungen nicht immer die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung einhalten und liegen oft außerhalb dessen was die Bürger bereit sind anzubieten.

 

Eine passende Lösung

Genau diese Situationen können mit Hilfe der Bürgerbeteiligungs-Technologie verbessert werden. In einem ziemlich engen Ansatz, kann man Werkzeuge die dieses Thema betreffen, beispielsweise in einigen wallonischen Städten, im Bundesland Brandenburg, in Chiles Hauptstadtregion oder in Brasilien finden.

Bürgerhaushaltsmodelle sind aussagekräftigere Beispiele für das Potential dieser Technologe, wie man es in Reykjavik, Paris oder Barcelona beobachten kann. Die Definition der Umgebung findet auch einer weniger stark begrenzten Art statt. Dies sind digitale Plattformen für mitwirkende Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung.

Plattformen stellen offene Räume zur Verfügung in denen jeder der einen Computer hat sich in wenigen Sekunden registrieren kann und anschließend in der Lage ist einen Investitionsvorschlag zu formulieren, auf die Ideen anderer Teilnehmer zu reagieren oder einen Kommentar zu breiteren Plänen der Kommune abzugeben.

Es müssen keine Papiere mehr eingereicht werden, die dann irgendwo eingeordnet und vergessen werden, statt dessen findet ein transparenter Prozess statt in den alle Teilnehmer sich – bis hin zu einem sichtbaren Ergebnis einbringen können. Für die kommunalen Behörden und Gremien wird die Aufgabe leichter: Wenn sie eine überzeugende Gelegenheit zum Engagement präsentieren, dann liegt die Gewinnung von Mitwirkenden hauptsächlich an den richtig angepassten Kommunikationsbemühungen.

Zum Zeitpunkt der Verarbeitung der Ergebnisse können sie sich jetzt auf integrierte Sortier- und Analysefunktionen verlassen. Online-Plattformen können deshalb der Schnittpunkt einer nahtlosen Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Bürgern, Experten, Investoren und Planern sein.

 

Visualisierung und Kreativität

Obwohl Beteiligungsplattformen eine arbeitsfähige Lösung für Planungen in der Stadtentwicklung darstellen, sind sie auch in der Lage weitere Optionen anzubieten, wie das Eruieren von Ideen der Bürger, anschließend können sie dabei helfen diese Ideen in konkrete Plänen umzusetzen. Eine Untersuchung der Universitäten Calgary und Santiago aus dem Jahr 2016 suchte nach Software-Komponenten die benötigt werden, um diese Ziele zu erreichen.

Die gute Nachricht  ist: Diese Komponenten sind alle schon verfügbar und teilweise bereits bei Online-Beteiligungsexperimenten im Einsatz. Kartenwerkzeuge und Geoinformationssysteme (GIS) stellen eine Basisschicht für Standort- und Geo-Daten bereit. Sie können mit dynamischen 3D-Explorern gekoppelt werden. Diese Technologie kann mit wenigen Mausklicks gestartet und von Ungeübten angewendet werden.

Einer dieser Explorer wurde durch Videospiele inspiriert wie es bei diesem Kopenhagen in Minecraft von GeoBoxers der Fall ist, denn dieses Kopenhagen wurde mithilfe von Nutzern erstellt. Auch Google Earth wird immer leistungsfähiger mit schnellen Überblicken durch sehr realistische 3D-Visualisierungen. Eine Anwendung für bürgerliches Engagement in der Stadtentwicklung kann beim Betaville-Projekt der New York University besichtigt werden.

betaville Projekt der NYU

Augmented Reality ist eine weitere Funktion. Sie kann sehr gut bei mobilen Beteiligungs-Apps eingesetzt werden: Diese können die Nutzern zum Nachdenken animieren und die Ideen in einer kurzen Zusammenfassung festhalten bevor sie wieder vergessen werden.

Danach kommt das Skizzieren, mit der Möglichkeit Entwicklungspläne in der Stadtentwicklung zu erstellen und zu verändern und Anmerkungen zu machen. Dabei gibt es zwei Paradigmen: Entweder ein Drag&Drop von Objekten im SimCity-Stil wie in diesem Pilot-Werkzeug von UFO oder eine verbesserte Form des Freihandzeichnens.

 

Es bleiben Herausforderungen. In erster Linien besteht die Notwendigkeit alle diese Tools in eine kohärente Oberfläche zu integrieren und Werkzeug so zu vereinfachen, dass sie von jedem Bürger verstanden werden können.

Neben der Bürgerbeteiligungs-Technologie, wird bei den Communities auch das Wissen benötigt mithilfe derer die Abläufe der Planungsberatungen in der Stadtentwicklung, die Terminologie und die wichtigen Aspekte, wie zum Beispiel die Nachhaltigkeit,  besser verstanden werden. Allerdings ist die räumliche digitale Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung zweifellos nicht mehr sehr weit entfernt, wenn die Software ausgereift ist und die Beteiligungsplattformen sich viral verbreiten.

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