Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts verfügt über neue Kommunikationskanäle, die agiler, allgegenwärtiger und unmittelbarer sind. In diesem Sinne sind die Bürger von Heute nicht länger nur passive Subjekte, sondern sie bilden auch aktive Informationsquellen. Dies begünstigt die Entwicklung einer hoch kooperativen Gesellschaft.

Andererseits schätzen die in urbanen Gegenden lebenden Menschen des 21. Jahrhunderts die exklusiv für sie vorbehaltenen Räume. Ferner möchten sie auch die Möglichkeit haben, grundlegende Dienstleistungen auf sicherem Wege zu erreichen und ohne dabei auf motorisierte Transportmittel zurückgreifen zu müssen.

Im ersten Block von dieser Serie werden vier Gründe vorgestellt, warum das Konzept der Smart City nur unter Einbezug der Bedürfnisse der Bürger umgesetzt werden sollte.

1) Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist digital.

Digitale mobile Endgeräte, die ständig mit dem Internet verbunden sind, bilden die wichtigste Informationsquelle für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Nicht nur die Kommunikationskanäle haben sich verändert (bspw. haben Anwendungen wie Whatsapp klassische Telefonanrufe ersetzt). ​​Auch die Art und Weise, wie auf bestimmte Dienstleistungen zurückgegriffen wird, hat sich gewandelt, indem viele Applikationen es ermöglichen diese von zu Hause aus wahrzunehmen.

Das Leben der Bürger der Stadt des 21. Jahrhunderts spielt sich zunehmend in der digitalen Welt ab. Der D21-Digital-Index 2017/2018 zur Digitalisierung der Gesellschaft in Deutschland gliedert die erste These in mehrere Unterbereiche und misst deren Fortschritt. In diesem Jahr betrachtet die Studie erstmalig die Akzeptanz und Nutzung von intelligenten Geräten durch die Bevölkerung.

Somit steigt auch die Erwartung, dass die von der Stadt angebotenen öffentlichen Dienstleistungen auch über das Internet zugänglich sein sollten. Weshalb sollten sie zu einem Bürgeramt gehen und dort lange Wartezeiten auf sich nehmen, um einfache administrative Leistungen zu erhalten, die auch einfach mit ein paar einfachen Klicks auf Tablet erledigt werden könnten? Warum sollten soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder Instagram nicht dazu genutzt werden, um den Bürgern relevante Informationen zukommen zu lassen?

Eine weitere Konsequenz des digitalen Stadtbürgers ist dessen Bedürfnis nach Konnektivität zu günstigen Bedingungen. Heutzutage bieten viele lokale Geschäfte, vor allem Cafés und Restaurants, ihren Kunden kostenlosen W-LAN-Zugang. Warum könnte dies nicht auch in öffentlichen Räumen, bspw. in Bibliotheken, angeboten werden?

Auf der Webseite wearesocial wurde ein Bericht die Auswirkungen neuer Technologien veröffentlicht, der die rasant wachsende Adoption digitaler Kommunikationskanäle auf der ganzen Welt hervorhebt.

2) Die Verwaltung einer Stadt muss alle Beteiligten einbeziehen.

Der beste Weg, um sicherzustellen, dass alle Aktivitäten in der Smart City den Bedürfnissen und Erwartungen aller Bürger gerecht werden, ist diese aktiv während des Transformationsprozesses miteinzubeziehen, ihnen zuzuhören und ihre Standpunkte zu berücksichtigen. Auf diese Weise können kommunale Entscheidungsträger nicht nur den notwendigen Konsens erreichen, welcher notwendig ist, um Maßnahmen effektiv umzusetzen. Ferner steigert die damit verbundene Transparenz auch das Vertrauen aller beteiligten Akteure. Zudem sollte nicht vernachlässigt werden, dass der Schlüssel für den Aufbau einer integrativen Stadt darin besteht, jeden in deren Gestaltung einzubeziehen.

Empfehlenswert ist dieser Artikel auf der CitizenLabs Webseite, in der einige Gründe genannt werden, warum eine Stadt auf Online-Möglichkeiten des zivilen Engagements setzten soll. Auf der gleichen Webseite wird in einem weiteren Artikel das Thema digitaler, mitwirkender Bürgerbeteiligung eingeführt. Kurz zusammengefasst, umspannt dieser Begriff die Förderung der zivilen Teilnahme beim Stadtmanagement.

Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist kollaborativ. Dies bedeutet somit, dass auch die Schaffung und das Management der für sie angebotenen Dienstleistungen mit dieser Entwicklung Schritt halten sollten. Die Top-Down-Planung, die ehemals in einem Büro von einer kleinen Anzahl von Ingenieuren erarbeitet wurde, muss einer Bottom-Up-Planung weichen, welche von Bürgern für Bürger konzipiert wird. In diesem Zusammenhang sollte die Veröffentlichung von Gemeindedaten gefördert werden, so dass Dritte, u.a. die Bürger selbst, diese Daten nutzen können, um eigene Dienste zu erstellen. Ganz gemäß dem Prinzip der Open-Data-Philosophie.

3) Der Mensch muss das Maß einer Stadt sein.

Die Verbreitung des Automobils als Haupttransportmittel seit der Mitte des 20. Jahrhunderts führte zur Zerstreuung der städtischen Bevölkerung. Dieses Phänomen, ist besonders auf dem amerikanischen Kontinent zu beobachten, wo ganze Viertel von Einfamilienhäusern auftauchten, die weit von den grundlegenden Dienstleistungen entfernt liegen und deren Einwohner stark vom Auto abhängen, um ihren täglichen Aktivitäten nachzugehen. Diese Entwicklung führte in der Regel zu städtebaulichen Entwürfen, die auf den Gebrauch privater Fahrzeuge ausgelegt sind und zum Teil auch Fußgänger benachteiligen, wenn nicht sogar gefährden.

Die städtischen Gebiete, die für eine Mischung von Funktionen ausgelegt werden, bilden das dynamischste und attraktivste Modell einer Stadt, da diese den Bedürfnissen aller Menschen jederzeit genüge werden können. Eine andere Art des städtischen Raumes, welcher attraktiv für die Bürger ist, sind Fußgängerzonen. Da diese nicht mit motorisierten Fahrzeugen geteilt werden, kann man dort unbekümmert herumlaufen, ohne dabei beständig auf den Verkehr achten zu müssen. Die Einrichtung von Fußgängerzone von historischen Zentren ist ein wachsender Trend in vielen europäischen Städten und hat reizvolle Gegenden mit viel Leben und großer Geschäftigkeit geschaffen.

Es gibt viele Gründe den Fußgängerverkehr in der Stadt zu fördern, vor allem in Zusammenhang mit ökologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Aspekten. Bürger schätzen die Möglichkeit, grundlegende Dienstleistungen auf die bequemste Art und Weise in Anspruch nehmen zu können, insbesondere wenn sie diese unabhängig vom Auto erreichbar sind. Viele von ihnen betrachten dies als einen Faktor, der zu einem glücklichen Dasein beiträgt. Dieser Artikel auf der Website strongtowns weist auf die Wichtigkeit hin, fußgängerfreundliche Viertel zu schaffen und zu fördern.

Letztenendes sollten Städte kommunale Räume für Interaktion und Freizeit schaffen. Dies kann in Form einer grünen Oase inmitten der Stadt sein, wo die Bürger eine Zeit lang die Sorgen des Alltags durch körperliche Betätigung ausblenden oder einfach nur im Gras liegend die Ruhe genießen können. Diese Räume könnten große Parks, wie der Gleisdreieck-Park in Berlin, Gartenplätze, wie der „Merrion Square“ in Dublin, oder auch stillgelegte Infrastrukturen sein, die zu Fußgängerwegen umfunktioniert wurden, wie die „High Line“ in New York.

4) Die Bevölkerung altert.

Dank der Fortschritte auf dem Gebiet der Medizin und der Verbesserung der Lebensbedingungen ist die Lebenserwartung gestiegen. Zusammen mit dem Rückgang der Geburtenraten führt dies zu einer zunehmenden Alterung der städtischen Bevölkerung.

Ältere Menschen, von denen viele alleine leben, benötigen eine besondere Aufmerksamkeit. Dabei ist es wichtig, ihnen Telecare-Dienstleistungen bereitzustellen, die für Ferndiagnosen verwendet werden können und es ihnen ermöglichen im Notfall Hilfe anzufordern. Ein weiterer Aspekt, der berücksichtigt werden sollte, ist auch deren eingeschränkte Mobilität.

Dies hat zur Folge, dass städtische Räume so gestaltet werden müssen, dass älteren Menschen eine maximale Zugänglichkeit gewährleistet wird. Auf der anderen Seite verfügen ältere Mensche über viel Erfahrung und sind sonst auch eine Bereicherung. Daher bilden sie eine Bevölkerungsgruppe, die bei der Transformation der Städte nicht außer Acht gelassen werden darf.

Vergleichen Sie die Denkimpulse zur digitalen Ethik von der Initiative D21 zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin und Versorgung älterer Menschen.

In diesem Artikel von Gabe Rijma, Microsoft Asia, nennt die Autorin vier grundlegende Säulen, auf denen basierend IKT-Technologien nützliche Werkzeuge für ältere Menschen sein könnten.

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