Verwaltungen – diese vermeintlich bürokratischen, ineffizienten Organisationen, die wir alle meinen zu kennen – sind mehr und mehr dazu bereit sich neu zu erfinden und ihre Arbeitsweisen zu überdenken. Start-up-Unternehmen können als großartige Inspirationsquelle dazu dienen. Verwaltungen können eine Start-up-Mentalität annehmen, sowohl von innen, durch Binnenunternehmertum, als auch von außen, durch Geschäfte mit Start-up-Unternehmen.

Innovation die aus dem öffentlichen Bereich kommt

In der Vergangenheit wurde oft gepredigt das “Verwaltungen mehr wie der Privatbereich betrieben werden sollen”. Aber sich von Start-up-Unternehmen inspirieren zu lassen ist nicht dieselbe Auffassung wie diese Binsenweisheit. Das alte Model verglich typischerweise große Organisationen aus dem öffentlichen Bereich mit großen Organisationen im Privatbereich. Die Steigerung der Betriebseffizienz war meist die Hauptschlussfolgerung.

Aber das reicht nicht, um Innovation zu fördern. Aus diesem Grund setzt eine wachsende Zahl von Organisationen – sowohl private, als auch öffentliche – auf  „Binnenunternehmertum“ um wahrhaftig innovative zu werden.

Öffentliches Binnenunternehmertum bedeutet die Verhaltensweise eines Privatunternehmers innerhalb einer Verwaltung, in einem Prozess der affirmativen Risikobereitschaft, anzunehmen.

Diese drei Hauptgrundsätze müssen beachtet werden, wenn es darum geht Innovationen im öffentlichen Bereich zu fördern:

  • Die Einführung von Arbeitsabläufen die es ermöglichen Umsetzungen zu beschleunigen und Amtsschimmel zu vermeiden. Verwaltungen sind durch schwergewichtige regulatorische Regime und ihren Widerstand zu Veränderungen gekennzeichnet. Start-up-Unternehmen sind andererseits durch ihre “schlanke” Arbeitsweise gekennzeichnet. Das schlanke Start-up-Unternehmen predigt einen Dreischritt der auf Iteration beruht: Erstellung von Produkten und Dienstleistungen, Messung der Leistung und Ziehen von Schlussfolgerungen. Die digitale Serviceleistung der Regierung Großbritanniens (GDS) ist ein großartiges Beispiel einer Regierungsorganisation die eine agile Arbeitsweise implementiert hat.
  • Die Gründung von Wettbewerben und Herausforderungen welche die Verwirklichung gewagter Ziele anstreben. Weltweit werden Programmiermarathons organisiert um die Arbeitsweisen von Verwaltungen zu innovieren. Die Stadt Ghent in Belgien hat die “Apps4Ghent” Herausforderung ausgerufen, um Applikationen zu entwickeln, welche die Lebensqualität in Ghent steigern sollen.
  • Wertmitgestaltung in Zusammenarbeit mit Bürgern durch Crowdsourcing ihrer Ideen. CitizenLab ist eine Plattform welche Lokalverwaltungen und Bürgern die Zusammenarbeit und gemeinschaftliches Innovieren ermöglicht. Beispielsweise hat die Stadt Augustusburg in Sachsen eine CitizenLab Plattform eingerichtet um zu den Ideen und Bestrebungen ihrer Bürger Einsicht zu bekommen. Anhand ihrer Eingaben werden Stadtprojekte erstellt und priorisiert. Auf diese Art und Weise wird Entropie in die Verwaltung eingeladen, anstatt außen vor gehalten zu werden.

Geschäfte mit Start-up-Unternehmen

Heutzutage geht Innovation oft Hand in Hand mit Digitalisierung der Organisation zusammen. Wir sahen zu wie viele Nationen “digitale Agenden” erstellten, um mit dem E-Regierung-Trend und den Bedürfnissen der Bürger schrittzuhalten. Um Effizienzsteigerungen zu erzielen, haben manche Regierungen erkannt das sie die Arbeitsgänge beheben müssen und Start-up-Unternehmen einladen müssen.

Hier sind ein paar Ratschläge zur Erschließung von öffentlichen Auftragsvergaben zu Start-up-Unternehmen:

  • Veröffentlichung einer klaren Anleitung zur öffentlichen Auftragsvergabe. Dadurch werden Unternehmern dieselben Informationen bereitgestellt, die einst nur etablierten Anbietern vorbehalten waren. Nicht nur die Prozedur, sondern auch die Teilnahmevoraussetzungen, sind oft den Start-up-Unternehmen nicht gesinnt. Die Stadt Los Angeles hat ein Dokument online bereitgestellt, das Start-up-Unternehmen durch die Auftragsvergabe leitet.

  • Suche nach Vereinfachungen zur Auftragsvergabe innerhalb der Verwaltung. Wie schon erwähnt, Amtsschimmel ist oft ein Innovationskiller innerhalb von Verwaltungen. Deswegen sollten alle Beamten im öffentlichen Dienst eine gute Kenntnis der Vorschriften zur Auftragsvergabe besitzen. Mit diesen Kenntnissen können sie dann nach weiteren Wegen suchen, um den Auftragsvergabeprozess zu vereinfachen. Das Bildungsministerium der Stadt New York hat einst den ganzen Auftragsvergabeprozes grafisch dargestellt und eine Vereinfachung der behördlichen Bestimmungen anzubieten.
  • Mapping the procurement process

    Abbildung zum öffentlichen Vergabeprozess in New York

    Erstellung von Programmen zu Anschaffungen über Start-up-Unternehmen. Neben begrenztem Budget, steht den Verwaltungsorganisationen oft das notwendige Fachwissen, um hauseigene technologische Lösungen zu entwickeln, nicht zur Verfügung. Darum kann die Anschaffung von SaaS (Programme als Dienstleistungen) über Start-up-Unternehmen eine gute Lösung darstellen. Die Stadt Antwerpen hat jenes erkannt und das ACPaaS Programm gestartet. Dieses Programm teilt ihre technischen Herausforderungen in Einheiten auf und lädt Start-up-Unternehmen ein, sich um diese zu bewerben.

Der Innovative Staat

Bei der heutigen halsbrecherischen Geschwindigkeit von Innovationen können öffentliche Institutionen es sich einfach nicht leisten hinterher zu bleiben. Darum ist ein Umdenken erforderlich, welches den Wechsel vom extremen Bürokratismus zu einer schlankeren und agilen Arbeitsweise ermöglicht.

Glücklicherweise gibt es schon viele großartige Beispiele die den Mythos des schwerfälligen, stagnierenden Staates widerlegen – wie sie auch in diesem Beitrag erwähnt wurden. Sollten Ihnen noch eine beeindruckende Regierungs- oder Verwaltungsinitiative einfallen, zögern Sie bitte nicht jene in den Kommentaren unten zu erwähnen.

 

 

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