Wir leben in Zeiten, in denen sich weltweit und national mehr verändert als jemals zuvor. Unsere Zeit ist nicht durch einmalige Ereignisse wie dem Mauerfall geprägt, sondern durch eine beschleunigte Evolution funktionierender Systeme: Kultur, Heimat und Lebenswelten, Energie, Demografie, Politik und Medien. 

Immer mehr Menschen fühlen sich von diesen Veränderungen ausgeschlossen, weil sie davon betroffen sind, aber nicht gehört werden. Zudem sind mehr Bevölkerungsgruppen als zuvor bereit und in der Lage, Konflikte mit gewählten Volksvertretern und lokalen Behörden einzugehen. 

Etablierte Denkweisen gelten heutzutage schnell als überholt. Identitäten, etwa der eigene Beruf, bröckeln dahin. Das schafft Existenzangst. Und diese tragen Leute zur Ratshauspforte, früher oder später.

Komplexe Probleme lösen

Kein Bürgermeister wird Integration, Zuwanderung und den Umgang mit Flüchtlingen ohne neue Formen der Bürgerbeteiligung langfristig meistern können. Der Bürgerservice erlebt immer öfter, wie Bürger einfach handhabbare Apps, die sie in der Freizeit nutzen, als Standard für die Interaktion mit der Kommunalverwaltung sehen. Witterungsbedingungen werden für die meisten Städte in Deutschland seit etwa 20 Jahren unbeständiger. Weitreichender Hochwasserschutz ist kein Nice-to-Have mehr. Etablierte Netzwerke, bestehend aus Berufsgruppen und Gebäudenutzungen, degenerieren im ländlichen Raum. Wie gehen Sie mit diesen komplexen Problemen um?

Ein Problemlösungsansatz ist die Smart City. Warum denken wir beim Stichwort Smart City nicht gleich an die Smarten Bürger? Weil eine zunehmend automatisierte Entscheidungsfindung keine Mitwirkung von Menschen zulässt. Intelligente, autonome Systeme sind das Ideal der Smart City.

Damit einhergehend werden Bürgerinnen und Bürger zunehmend weniger zu sagen haben. Und das merken sie bereits jetzt. Das Problem der Smart Cities, wie sie von vielen Ihnen bekannten Unternehmen vorgeschlagen werden, ist, dass sie lediglich ein Mittel sind, das „Internet der Dinge” zu monetarisieren. Die Macht wird von den Bürgern zu einem Top-Down-Stadtkontrollzentrum verlagert.

Menschlich bleiben, Bürgermeister sein

Aber was macht das Leben in einer Gemeinde und Stadt liebenswert? Es ist das freie und gleiche Miteinander der Bürgerinnen und Bürger. Das unentdeckte Restaurant an der Straßenecke, die zufälligen Begegnungen mit Fremden und die Vielfalt von allem sind Merkmale des städtischen Lebens, die die Städte mit Lebensfreude füllen.

Der Bürgermeister gestaltet dieses Miteinander und verändert das Stadtbild für immer sowie den Umgang mit Bürgern. Ein Bürgermeister, der komplexe Probleme lösen möchte, kann immens von Stakeholder- und Bürgerbeteiligungen profitieren, wenn diese eine große Reichweite, Nutzer-Verifikation und Feedback-Management für direkt auswertbare Ergebnisse bietet.

Eine Annäherung von menschlicher und maschineller Intelligenz unter dem Banner der Smart City beeinflusst traditionelle Entscheidungsgrundlagen und schafft Roboter-Gemeindeverwaltungen ohne das kritische Gefühl für die Stadt oder ihre Bürger. Dieses kritische Fingerspitzengefühl haben Sie als Bürgermeister – nutzen Sie es, indem Sie Ihre Bürgerinnen und Bürger auf eine effiziente Art und Weise beständig informieren und hören.

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