Quelle: Freepik

Unten listen wir 5 Kennwerte, Werkzeuge, Lösungen und Rahmenbedingungen auf, die bei der Bewertung, wie Regierungen abschneiden, wenn es um die Einrichtung von E-Partizipationsinitiativen geht, nützlich sind. Dieser Artikel ist der zweite in unserer Serie über e-Partizipation. Falls Sie Die Rahmenbedingungen, die E-Partizipation verständlich machen noch nicht gelesen haben, können Sie dies hier tun.

Tatsächlich ist das Definieren von Rahmenbedingungen ein Weg, um ein Konzept aufzustellen und die Grenzen zu setzen innerhalb derer der E-Partizipationsprozess abläuft. Um ihn bestmöglich ablaufen zu lassen und ihn zu verbessern, muss es eine Leistungsbewertung dieser E-Partizipationsprojekte geben. Diese Notwendigkeit wurde von der OECD klar identifiziert.

« Regierungen benötigen die Werkzeuge, Informationen und die Fähigkeit, ihre Leistung bei der Lieferung von Informationen, der Durchführung von Beratungen und der Einbindung der Bürger zu bewerten, um sich neuen Erfordernissen anzupassen und die Bedingungen für politische Gestaltung zu ändern. »

1. Der E-Partizipationsindex (EPI)

Der erste verfügbare Kennwert zur Bewertung von E-Partizipation auf Länderebene ist der E-Partizipationsindex, bzw. EPI, der von den Vereinten Nationen aufgestellt wurde. Der EPI ist eine vergleichende und qualitative Bewertung der Mechanismen, die von Regierungen eingeführt wurden und folgt den Rahmenbedingungen, die wir bereits im ersten Artikel dieser Serie erläutert haben, nämlich « E-Information », « e-Beratung » und « e-Entscheidungsfindung ». Obwohl behaupted wird, dass dieser Kennwert nicht absolut ist, zielt er darauf ab, die Leistung jedes Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt abzubilden. Der EPI wird folgendermaßen berechnet:

EPS : E-Partizipations-Score

Die E-Partizipationspunktzahl wird anhand der Antworten, die in der Umfrage gegeben wurden, berechnet. Die Fragen werden jährlich in Abhängigkeit von aktuellen Trends angepasst. So fragte zum Beispiel die Ausgabe von 2016 nach Informationen, die den Bürgern durch die Regierung zur Verfügung gestellt wurden, Onlineumfragen und Onlinediskussionsforen.

Hier ist ein Überblick über die durchschnittlichen Indizes je Kontinent (von 0 bis 1, wobei 1 die beste Punktzahl ist): 

 

Quelle: United Nations

2. Der E-Regierungsentwicklungsindex (EGDI)

Obwohl allgemeiner, weil er sich nicht nur auf E-Partizipation konzentriert, beschreibt der ebenfalls von den Vereinten Nationen eingeführte E-Regierungsentwicklungsindex die Fähigkeit der Regierung, Online-Partizipationsinitiativen umzusetzen. Der Index bewertet den Umfang und die Qualität der Online-Dienste, sowie die Entwicklungsstufe der Telekommunikationsinfrastruktur. Daher wird er mihilfe von drei anderen Indizes berechnet:

  • dem Online-Serviceindex (OSI), der die nationale Webseite des Landes bewertet
  • dem Telekommunikationsinfrastrukturindex (TII), der die Nutzung von Internet, Mobilfunk, Festnetz- und Breitbanddiensten durch die Bevölkerung bewertet
  • dem Humankapitalindex (HCI), der die Lesekompetenz der erwachsenen Bevölkerung, die Einschreibungsrate und die Dauer der Schulpflicht im jeweiligen Land bewertet.

Quelle: Vereinte Nationen

Ähnlich wie der E-Partizipationindex ist der EGDI ein vergleichender Index zwischen den Regierungen auf Länderebene. Hier ist ein Überblick über die durchschnittlichen Indizes je Kontinent:

Quelle: Vereinte Nationen

3. Das Mess- und Auswertungswerkzeug für Bürgereinbindung und E-Partizipation (METEP)

Dieser analytische Rahmen ist das dritte Werkzeug, das von den Vereinten Nationen bereitgestellt wird (neben EPI und EGDI), genauer gesagt vom Department of Economic & Social Affairs. Der Hauptzweck von METEP ist die Entwicklung von Kapazitäten für die Auswertung des E-Partizipationsfortschritts zum Zwecke des Austausches über die beste Vorgehensweise und des kontinuierlichen Lernens. Seine Aufgabe ist es, Erfolg und Misserfolg von E-Partizipationsinitiativen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu erkennen. Das längerfristige Ziel ist es, die Leistung von Ländern zu vergleichen.

Die Rahmenbedingungen bestehen aus zwei Teilen, der erste ist die Theorie. Wir gehen darauf nur kurz ein, da dieser Teil bereits gründlich in Teil 1 der E-Partizipations-Serie besprochen wurde. Der zweite Teil sind die Rahmenbedingungen für die Bewertung selbst.

Es gibt zwei unterscheidbare Momente bei diesen Rahmenbedingungen. Der erste, vor der Umsetzung, die Auswertung der E-Partizipationsbereitschaft , mithilfe von Fragebogen und der Sammlung verschiedener Anhaltspunkte und Daten. Dann, sobald die Umsetzung abgeschlossen ist, die Beurteilung der realen E-Partizipationspraktiken, die Bewertung des tatsächlichen Fortschritts. Dieser zweite Teil basiert auf einem Selbstbewertungsfragebogen.

Die METEP Bewertungs-Rahmenbedingungen haben das Zeil, den Erfolg der E-Partizipation politisch (Block A), sozial (Block b) und technisch (Block C) zu bewerten.

Quelle: United Nations

Die detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung der Bewertung und Beispiele für Fragen vom Fragebogen können Sie im vollständigen METEP-Report hier nachlesen.

4. Der Globale Open Data Index (GODI)

Der Globale Open Data Index ist sehr spezifisch und macht keine Aussage über die gesamten Rahmenbedingungen der E-Partizipation, sondern er konzentriert sich auf den ersten Schritt : E-Information. Wie in den Rahmenbedingungen erklärt, gibt es keine erfolgreiche E-Partizipation, wenn die Bürger nicht gut informiert sind und ihnen alle Informationen zur Verfügung stehen. Der globale Open Data Index, eingeführt durch Open Knowledge International, bewertet den Grad der Verfügbarkeit von staatlichen Daten. Diese Bewertung steht sowohl auf nationaler Ebene als auch für einige Städte zur Verfügung (diese Daten müssen manuell vervollständigt werden, entweder durch die Städte selbst oder durch die Eigentümer der Daten). Der Index liefert außerdem eine Aufgliederung der Daten nach Themen. Obwohl er kein Werkzeug speziell für die Bewertung des Erfolgs einer E-Partizipationsinitiative ist, so ist der GODI doch sehr bedeutsam, um darzustellen, wieviele Daten ein Land seinen Bürgern offen zugänglich macht.

Welches sind also hinsichtlich der Zugänglichkeit von staatlichen Daten die am besten abschneidenden Länder ? In der Tabelle sind die Top 10 aufgelistet, die komplette Rangliste kann hier eingesehen werden:

Quelle: Open Knowledge International

5. Die Entwicklung von neuen Rahmenbedingungen für die Bewertung der E-Partizipation

Wie man bereits bei den oben erwähnten Werkzeugen und Lösungen erkennen konnte, ist nichts davon bereits komplett oder perfekt. Die OECD bemerkt, dass dies vor allem den Fall ist, weil alle diese Initiativen relativ neu sind und die meisten Anstrengungen bislang dem Prozess der E-Partizipation selbst zugute gekommen sind und nicht seiner Bewertung.

Die aktuelle Literatur zum Thema E-Partizipation empfiehlt die Entwicklung von neuen Rahmenbedingungen für die Bewertung. Sowohl Akademiker als auch Politiker sind der Meinung, dass es sehr wichtig ist derartige praxistaugliche Rahmenbedingungen für die Bewertung zu entwickeln: die Akademiker benötigen sie, um die Verfahrensweisen der E-Partizipation zu verstehen und die Beamten und Funktionäre brauchen sie, um ihre Initiativen zu bewerten und zu verbessern

Im Allgemeinen beruht die Bewertung von E-Partizipation auf deklarativen Techniken, wie Umfragen zur Bürgerzufriedenheit, und das ist nicht ausreichend. Um es mit Ann Macintoch und Angus Whyte auszudrücken:

« Es existieren starke Argumente für die Verwendung von Feldstudienmethoden zur Betrachtung und Analyse von E-Partizipationswerkzeugen, die im Umfeld von Bürgergruppen und in öffentlichen Räumen genutzt werden.  Ein genauer Blick auf das Verhalten in bestimmten Zusammenhängen, sowie auf die ausgedrückten Meinungen in individuellen Gesprächen und Gruppenworkshops ist erforderlich für ein besseres Verständnis, ob die eingesetzte Technologie angemessen ist. »

Obwohl die primären Rahmenbedingungen für die Bewertung « Sozial, technisch, politisch » der Bezugspunkt bleiben, beginnen sich einige andere Ansätze abzuzeichnen, wie z.B. der von Anttirioko (2013), der Rahmenbedingungen basierend auf Institutionen, Einfluss, Integration und Interaktion vorschlägt. Henderson hat (2005) Rahmenbedingungen für die Bewertung aufgestellt, die auf Effektivität, Eigenkapital, Qualität, Effizienz, Angemessenheit, Nachhaltigkeit, Prozess basieren. Und dies sind nur einige Vorschläge für die Schaffung solcher Rahmenbedingungen.

Die Bewertungslandschaft für E-Patizipation ist daher recht vielfältig: von Akademikern, die versuchen, ihr eigenes System zu erstellen (siehe oben) bis zu Städten, die selbst versuchen, Bewertungen für ihre E-Partizipationsinitiativen durchführen (wie z.B. verschiedene Städte in Großbritannien). Der schwierigste Teil ist dabei die Auswahl der für eine vollständige Bewertung der E-Partizipation essentiellen Dimensionen aus seiner Vielzahl von Möglichkeiten. Ausserdem müssen noch weitere Aspekte berücksichtigt werden wie z. B. Barrierefreiheit, Inklusivität, etc.

Um ganzheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, muss man zuerst klar definieren, was genau man messen möchte. Und so müssen die perfekten Rahmenbedingungen erst noch geschaffen werden. In der Zwischenzeit scheint die Vorherrschaft der OECD – Rahmenbedingungen (2001 und 2003) als solide theoretische Basis unbestritten.

Macintoch und Whyte schlussfolgern:

« Mit solch rigorosen Rahmenbedingungen könnten wir anfangen, die Frage  «Transformiert E-Partizipation die lokale Demokratie ?» zu beantworten. »

Und dies ist die Frage, die wir in Teil 3 unserer Serie über E-Partizipationsdienste zu beantworten suchen. Bleiben Sie dran!

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