Online- oder Offline-Bürgerbeteiligung, welche Strategie ist die beste? Sowohl Online- als auch Offline-Plattformen haben ihre Vorzüge und wenn man sie kombiniert, können sie unglaublich effektiv sein. Jedoch tun Städte dies nicht sehr oft. Hier zeigen wir, wie und warum sie ihre Plattformen für bürgerschaftliches Engagement kombinieren sollten.

Online- vs. Offline-Bürgerbeteiligung?

Offline-Veranstaltungen, die von Städten organisiert werden, um Bürger stärker einzubinden, scheinen ihren Zweck nicht zu erfüllen. Das Internet hat die Art und Weise verändert, wie sich Menschen untereinander austauschen. Städte haben damit begonnen, aufzuholen, indem sie ihre Kommunikationstechniken anpassen und Online-Plattformen nutzen, um mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten.

Sowohl Online- als auch Offline-Methoden haben das Potential, die Teilnahme der Bürger zu steigern. Offline-Plattformen bieten die Möglichkeit für Kommunalverwaltungen und Bürger, sich persönlich zu treffen und dauerhafte Beziehungen aufzubauen. Allerdings sind sie sowohl für die Städte als auch für die Bürger kostspielig. Die Regionalregierung muss Personal, Material und Folgeprotokolle bereitstellen, damit eine Offline-Veranstaltung stattfinden kann.

Im Gegensatz dazu ist die Unterhaltung einer Online-Plattform kostengünstiger und flexibler. Offline-Methoden erfordern es, dass Bürgerinnen und Bürger zu Veranstaltungen reisen und diese bis zum Ende anhören müssen, um die Informationen zu erhalten, die sie suchen. Bei Online-Plattformen hingegen kann ein Bürger, der sich für ein bestimmtes Projekt wie den Bau eines kommunalen Schwimmbades in seiner Nachbarschaft interessiert, direkt auf die Projektseite gehen und die Informationen bequem von zu Hause aus abrufen.

Zudem haben Offline-Veranstaltungen oft nur begrenzte Sitzplätze, während Online-Plattformen für jeden zugänglich sind. Auf diese Weise können Städte mit mehr Bürgern in Kontakt treten. Jedoch können Online- und Offline-Teilnehmer unterschiedlich sein. Beispielsweise ziehen Online-Plattformen vor allem jüngere Bürger an als solche, die an Offline-Veranstaltungen teilnehmen. Aus diesem Grund müssen Städte beide Plattformen miteinander verbinden, damit alle Bürger mitgestalten können.

online citizen participation

Wie man Bürgerbeteiligungs-Plattformen miteinander verbindet:

Bereitstellung von WiFi und Verwendung von Hashtags

Das Wichtigste zuerst: Damit Offline-Veranstaltungen die Vorteile des Internets nutzen können, müssen Städte den Bürgern, die an ihren Veranstaltungen teilnehmen, einen kostenlosen WiFi-Zugang zur Verfügung stellen. Zudem sollten sie einen speziellen Hashtag für das Event verwenden. Hashtags bringen Gespräche über ein bestimmtes Thema zusammen und ermöglichen es den Bürgern, während der Veranstaltungen live zu interagieren. Städte können sie nutzen, um das Gespräch, das während der Veranstaltung stattfindet, auf ihre Online-Bürger auszuweiten.

Beispiel: #OccupyWallStreet, @OccupyWallSt

Occupy Wall Street ist eine Bewegung, die im September 2011 in New York City, Zuccotti Park, begonnen hat. Die Bürgerinnen und Bürger protestierten aufgrund verschiedener Themen wie sozialer Ungleichheit und der Arbeitslosenquote. Bereits zwei Monate vor Beginn des Offline-Events erstellten die Organisatoren der Bewegung einen offiziellen Twitter-Account, inspiriert von dem Hashtag #OccupyWallStreet. Der Hashtag wurde verwendet, um Live-Updates der Ereignisse zu übertragen und die Meinungen der Bürger zu sammeln. Die Bewegung mobilisierte weltweit Tausende von Menschen durch Social Media. Auf dem Höhepunkt der Bewegung war der Hashtag in mehr als 10.000 Tweets pro Tag enthalten.

Live-Stream von Offline-Events

Live-Streaming ist ein einfacher, kostengünstiger Weg, um das Engagement zu steigern, und ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Alles, was man braucht, ist eine solide Internetverbindung und eine gute HD-Kamera oder ein gutes Telefon. Live-Streaming ist ein wirkungsvolles Instrument für bürgerschaftliches Engagement, da es Transparenz zeigt und Interaktion ermöglicht. Bürgerinnen und Bürger schätzen es sehr, einen Blick auf die städtischen Veranstaltungen zu werfen. Sie fühlen sich stärker involviert, da sie durch Kommentare in Echtzeit direkt mit den Politikern interagieren können. Städte können zum Beispiel eine Frage zu einem Projekt stellen und erhalten in ihren Videokommentaren oder Direktnachrichten sofort eine Antwort. Die Bürger können auch direkt miteinander interagieren, was zur Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls beiträgt.

[clickToTweet tweet=“Live-Streaming ist ein mächtiges Instrument zur Bürgerbeteiligung, es zeigt Transparenz und ermöglicht Interaktion“ quote=“Live-Streaming ist ein mächtiges Instrument zur Bürgerbeteiligung, weil es Transparenz zeigt und Interaktion ermöglicht. Bürgerinnen und Bürger schätzen es sehr, einen Blick auf die städtischen Veranstaltungen zu werfen. „]

Beispiel:  Online Verfassungs-Crowdsourcing, Island

Bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung setzte Island sowohl Crowdsourcing als auch Live-Streaming ein. Zunächst veröffentlichte das Gremium Entwürfe von Klauseln und Interviews mit seinen Mitgliedern auf seiner Website und Social Media-Seite. Anschließend öffnete es seine Versammlungen für die Bürger und übertrug sie live auf seiner Website. Somit konnten Bürgerinnen und Bürger sehen, wie die Verfassung vor ihnen geschrieben wurde, und die Klauseln posten oder kommentieren, obwohl sie selbst nicht an der Veranstaltung teilnahmen.

Diskutieren von Online-Ideen bei Offline-Veranstaltungen und umgekehrt

Die Stadtverwaltungen könnten über ihre Offline-Meetings mit Bürgern Berichte posten oder diese auf ihren Online-Plattformen live streamen. Sie könnten die Inhalte der Online-Plattformen auch dazu nutzen, Diskussionen auf ihren Offline-Veranstaltungen zu führen. Da Online-Plattformen mehr und andere Bürger erreichen als Offline-Plattformen, ermöglichen sie es Städten, ein breiteres Spektrum an Ideen zu sammeln. Sobald diese Ideen ausgewertet sind, können Städte nach Meinungen zu ihnen fragen oder sie vielleicht sogar bei Offline-Veranstaltungen testen. Somit kann ein größerer Kreis von Bürgern Projekte mitgestalten.

CitizenLab ist eine Online-Bürgerbeteiligungsplattform, die Städte nutzen können, um Bürger mitgestalten zu lassen. Die Stadt postet ihre laufenden oder zukünftigen Projekte auf der Plattform. Die Bürgerinnen und Bürger wiederum können Ideen vorschlagen, kommentieren oder für die Ideen anderer Bürgerinnen und Bürger stimmen. Nach dem Gedankenaustausch können Städte all diese Ideen sammeln und exportieren, um sie zu bewerten. Zu einem späteren Zeitpunkt können diese Ideen bei Offline-Veranstaltungen getestet oder näher geprüft werden. Die Kombination beider Plattformen hilft den Städten, die besten und demokratischsten Projekte zu entwickeln.

There are currently no comments.