Wir haben die Mittel, ein robustes digitales Umfeld, wo Bürger miteinander in Verbindung treten können, aufzubauen. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich auf ihre kollektiven Fachkenntnisse zu berufen. Wieso setzen wir dann immer noch auf eine institutionelle Klasse von Fachkräften als unser primäres Lösungskonzept zur Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen?

Frage der Legitimität

Das Paradigma des Konsumenten ist aus und vorbei. Der Raum zur aktiven Teilnahme hat sich geöffnet und die Leute nutzen ihn tagtäglich. Heutzutage haben wir die Mittel, unsere Fachkenntnisse zu kollektivieren und dabei jederlei Probleme zu lösen. Wir haben allerlei Grund die gegenwärtigen Organisationsstrukturen unseres Umfeldes grundlegend zu überdenken. In diesem Beitrag werden wir den Wert institutioneller Klassen von Fachkräften anhand ihres Umgangs mit alltäglichen Problemen bewerten. Aber zuerst, was sind Fachkräfte?

Die Fachkräfte

Eine Fachkraft ist eine Person, welche als Träger legitimer Mittel und Kenntnisse für den Umgang mit spezifischen Problemen, erachtet wird. Sie ist Spezialist in einem bestimmten Gebiet, was ihr die Anerkennung des Besitzes einer passend abgestimmten Kompetenz zum Umgang mit einem spezifischen Problem gibt.

Das gegenwärtige Paradigma ist auf dem Vorrang der Fachkenntnisse des Einzelnen aufgebaut. Diese können jedoch Unterstützung erhalten durch die kollektive Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften.

Institutionen werden gegründet, um sich mit den lästigen Kommunikationsfragen des Verbindens von Fachkräften zu befassen. Das passiert meist offline, an einem vorgegebenen Ort und mit einem konkretem Focus auf ein bestimmtes Problem.

Jedoch befinden wir uns neuerdings in Besitz von Instrumenten, die uns ermöglichen, Menschen mit allerlei Arten von Fachkenntnissen miteinander zu verbinden. Wir können eine weite Palette von Kenntnissen, vom hoch sachkundigen Experten bis zum Amateur, effizient nutzen.

Der Bürger-Experte

Die bisherige Kommunikationsfunktion einer Institution kann effizienter gestaltet werden ; online und ohne institutioneller Verbundenheit. Dieser Prozess nennt sich die Demokratisierung von Fachkenntnissen. Die Frage, die sich jetzt stellt ist: funktioniert es? Übertrumpfen die kollektiven Fachkenntnisse allerlei Individuen die Kenntnisse einer speziellen Gruppe von Experten?

Die Demokratisierung von Fachkenntnissen ist der Prozess des Sammelns von Kenntnissen, aus allen sozialen Schichten, um sie zur Bewältigung von gegenwärtigen Herausforderungen zu verwenden.

Die Antwort scheint ‚ja‘ zu sein. Beispielsweise hat Wikipedia gezeigt, das die Erstellung einer Enzyklopädie durch ‘Amateure’, die sich auf ihre aktive Teilnahme stützt, eine größere, aktuellere und umfassendere Sammlung von Wissen, als die Encyclopædia Brittanica, zum Vorschein bringt.[1] Die kollektive Teilnahme von Amateuren und Experten schafft Wert. Die Legitimität von Fachkräften erscheint überholt, spezifische Probleme exklusiv behandeln zu können. Nach Bezeugung ihres Erfolges auf öffentlicher Ebene brauchen wir Plattformen, welche es Teilnehmern ermöglichen, diesen Wert auf einer bürgerlichen Ebene zu schaffen.

Die Gewährung des exklusiven Rechts, alltägliche Probleme zu lösen, an eine institutionelle Klasse von Fachkräften war nicht die beste Vorgehensweise, es war die einzige Vorgehensweise. Aber jetzt nicht mehr.

Die Demokratisierung von Fachkenntnissen auf Niveau der Behörden steigert nicht nur ihre Legitimität, sondern auf ihre Effizienz. Es verspricht eine Zukunft der gemeinschaftlichen Erzeugung, einer Regierung die in direktem Kontakt mit ihren Bürgern steht, und die Möglichkeit einer wirklichen Teilnahme. All das, abgestimmt auf ihre individuellen Vorlieben und Bestreben.

Paradigmenwechsel

Also, lasst uns unsere individuellen Fachkenntnisse nutzen und kollektive teilen. Last uns die Beschränkungen zur Nutzung von Wissen beseitigen, und lasst uns ihre Kraft, nicht nur im ökonomischen, sondern auch im sozialen und politischen Milieu nutzen. Aber am allerwichtigsten, lasst uns einen Paradigmenwechsel stattfinden lasen: die kollektiven Fachkenntnisse der Bürger  an erster Stelle, bestärkt durch die individuellen Fachkenntnisse der Fachkräfte.

[1] Wie in einer Nature Studie, aus dem Jahre 2005, gezeigt: http://www.nature.com/nature/journal/v438/n7070/full/438900a.html

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