Am zweiten Gedenktag des Terroranschlags, der Brüssel erschüttert hat, überwiegt unter den Brüsslern die Entschlossenheit, wie auch im Laufe der vergangenen Jahre. Diese Entschlossenheit, eine Quelle politischer Dynamik, muss in die politischen Entscheidungen einfließen. Genau dies ist das Ziel des Cabinet Citoyen, einer neuen Bürgerinitiative, die sowohl online als auch offline die Ideen aller Bewohner sammelt.

Es ist 9:15 Uhr an diesem Donnerstagmorgen. Die anonyme Öffentlichkeit in der Metro scheint wie zusammengeschweißt durch die Erinnerung an den Tag, an dem alle Brüssler verloren haben. Schweigend sind sich alle der Bedeutung des Tages bewusst, die Stimmung wird nahezu feierlich durch die verlängerten Halte an jeder Station. Aber die Metro ist so voll wie eh und je zur Stoßzeit. Die Brüssler haben keine Angst vor einem Terroranschlag, wie sie auch seit zwei Jahren keine Angst gehabt haben. Voller Energie und Entschlossenheit geben sie nicht auf.

participation citoyenne Bruxelles

Quelle: LeMonde.fr

Nach den Terroranschlägen in Paris und später in Brüssel bezeichneten – unwissende – Kritiker Brüssel als Stadt, in der nichts unternommen worden sei und in der die Verantwortlichen alles geschehen ließen. Die Debatte darüber wird noch geführt, aber was die Bewohner in der Hauptstadt und ihrer Umgebung betrifft, muss der Vorwurf der Untätigkeit scharf zurückgewiesen werden. In Brüssel wird nachgedacht, diskutiert und Neues erschaffen.

Indem sie in den letzten Jahren normal weiterlebten und nicht radikal ihr Verhalten nach dem Terroranschlag änderten, haben die Brüssler ein Zeichen gesetzt. Sie haben sich für Brüssel entschieden zum Arbeiten und Gedeihen, um eine Familie zu gründen und zu entspannen; das macht die Stadt zu dem, was sie ist. Dieses fruchtbare Bekenntnis der Bürger zu ihrer Stadt geht sogar noch weiter. Ein dichtes Netz von Initiativen von Brüsslern und für Brüssler ermöglicht mittlerweile besser funktionierende Abläufe in dieser Stadt.

Jeder hat seine eigene Antwort bezüglich der tieferen Ursachen der Terroranschläge vom 22. März 2016. Probleme gibt es auf allen Ebenen, aber die Stadt, die Stadtviertel und die Nachbarschaften sind ein wichtiger Teil der Gleichung. Über das persönliche Engagement in der Stadt hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Bewohner ihre Ideen für Brüssel mit Assoziationen und öffentlichen Einrichtungen teilen können. Die kollektive Intelligenz derer, die Brüssel ausmachen, muss gebündelt werden, damit man besser Antworten auf die vergangenen Niederlagen finden kann.

Das ist die Absicht der flämischen Region und der französischen Gemeinschaft, zu deren Kompetenzen die Angelegenheiten Brüssels gehören. Beide haben gemeinsam das zweisprachig geführte Cabinet Citoyen initiiert. Zum ersten Mal werden so in Brüssel die Vorschläge, Kommentare und Stimmen der Bürger ohne Einschränkung gesammelt, um Denkanstöße und politische Handlungsvorschläge zu liefern. Dieser Prozess setzt sich aus drei Teilen zusammen :

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Cabinet Citoyen Bruxelles

  • Zwei Versammlungen von 150 Bürgern am 6. Mai 2017 im flämischen Parlament (flämische Seite) und in den Halles St Gery am 20. Mai 2017 (französischsprachige Seite) für eintägige Debatten in Anwesenheit zweier Minister.
  • einem Online-Tool, dem Synthetron, mit dem in einstündigen Sitzungen ausgewählte Fragen diskutiert werden, um einen Konsens zu erreichen: Die Links zum Anmelden werden demnächst auf den oben genannten Seiten zu finden sein.
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https://www.youtube.com/watch?v=iq8N0tlhiRg&t=6s

Wie fühlen Sie sich in Brüssel und was halten Sie von den gegenwärtigen Sicherheitsvorkehrungen wegen des Terroranschlags? Wird genug für die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund und für die soziale Durchmischung unternommen? Allgemeiner gefragt, kann die Lebensqualität in den Stadtvierteln verbessert werden? Jeder Einzelne hat jetzt die Möglichkeit, seine Erfahrungen mitzuteilen und Lösungen zu diesen und vielen anderen Problemen vorzuschlagen.

Brüssel ist kein Sumpf der Hoffnungslosigkeit, wie es kritische Stimmen geäußert haben, das ist weit gefehlt. Aber Brüssel steht vor Herausforderungen, auch zwei Jahre nach dem Terroranschlag, vor dringenden Aufgaben, und es ist an der Zeit, dass die Vitalität und Intelligenz der Brüssler die Stadt zum Blühen bringen. Vernetzen wir  uns also und nehmen an der Debatte teil!

 

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