Friedrich Hayek schrieb 1945:

Die Kenntnis der Umstände, von denen wir Gebrauch machen müssen, besteht niemals in konzentrierter oder integrierter Form.

Die heutigen Netzwerke ermöglichen unseren öffentlichen Einrichtungen, sich einen Zugang zur Kreativität in unserer Gesellschaft zu verschaffen.

Wir sehen, dass die Demokratisierung der Expertise Städten und Gemeinden hilft, Probleme mit modernen Mitteln zu lösen. Neben der Feststellung, wer die Bürger-Experten sind, ist es ebenso wichtig herauszufinden, wie diese effektiv zusammenarbeiten können, um Ihren Einfluss geltend machen zu können. In dem Buch Smart Citizens, Smarter State erklärt Beth Noveck fünf verschiedene Formen von Crowdsourcing mit, und wie sie unseren Verwaltungen dienen können.

1. Crowdsourcing von Meinungen

Was? Befragungen und explorative Textanalysen. Traditionelle Befragungen erfordern die bewusste Offenlegung von Meinungen von Bürgern. Dank moderner Technologien, etwa NLP, können Gefühlsanalysen darüber hinausgehen. Diese Kollaboration umfasst die Analyse vieler Häufigkeiten und leitet subjektive Textverständnisse von großen Datenmengen ab. So können Verwaltungen begreifen, welche Wörter am meisten von Gruppen von Menschen in welchem Kontext verwendet werden. In diesem Kontext ist Crowdsourcing ein Pfad zur Meinung der Mehrheit, die vielleicht der Verwaltung entgangen wäre.

Zum Beispiel? Allseits bekannt ist Twitter, ein endloser Brunnen von Meinungen. Der Britische Gesundheitsdienst analysierte etwa 2,5 Milliarden Tweets während der London Riots.

Werkzeug für die Verwaltung? Argu ist ein Tool, das die inhaltliche Debatte über Politik abbildet. CitizenLab bietet eine semantische Analyse und hierzu eine Suite an verwaltungsinternen Anwendungen und Automatisierungen.

2. Crowdsourcing von Ideen

Was?  Wenn öffentliche Einrichtungen Ideen crowdsourcen, öffnen sie sich gegenüber Vorschlägen, die zumeist nicht spezifische Probleme lösen, sondern allgemeinerer Natur sind. Durch digitale Plattformen können Bürger kollektiv brainstormen. Der Input wird dann aufbereitet für Meinungsbildung und Entscheidungsfindung der Verwaltung. Anders gesagt, die Verwaltung bekommt schnell ein Gefühl für die Vorstellungen der Bürger ohne eine Kette terminlicher Verpflichtungen für Bürgerversammlungen und Besprechungen einzugehen.

Medellin transforms in a ultra-positive way thanks to crowdsourcing.

Mit der Unterstützung kreativer Bürger entwickelt die kolumbianische Stadt Medellin zahlreiche innovative Projekte.

Zum Beispiel? Das kolumbianische Medellín sammelte mehr als 2300 Ideen auf seiner Plattform MiMedellín.

Werkzeug für die Verwaltung? CitizenLab bietet kleinen bis mittelgroßen Städten eine ad-hoc einsetzbare und anpassbare Plattform, um Ideen zu crowdsourcen. Auch für Landkreise und Regionen gibt es eine startklare Plattformversion.

3. Crowdsourcing von Geld

Was? Das Crowdsourcen von Finanzierungsmitteln heißt Crowdfunding. Kleine finanzielle Beiträge durch eine große Gruppe an Spendern schaffen Finanzierungsmöglichkeiten. Anwendungen gibt es viele, gewöhnlich werden davon gemeinnützige Bürgerprojekte finanziert. Zivilgesellschaftliches Crowdfunding dient nicht allein dem Start einer Unternehmung, sondern ebenso einem sozialen Zweck: dem gegenseitigen Engagement von Bürgern.

Zum Beispiel? Die ökologisch investierende Bank GLS Bank bietet ihren Kunden eine Crowdfunding-Plattform.

Werkzeug für die Verwaltung? Citizinvestor ermöglicht die Verwendung von öffentlichen Geldern für Nachbarschaftsprojekte.

4. Crowdsourcing von Aufgaben

Was? Das Crowdsourcing von Aufgaben heißt Microtasking und umfasst die tausenden kleinen Erledigungen einzelner, die zu einem großen kollektiven Endergebnis führen. Vor allem sich wiederholende Aktivitäten lassen sich so erschließen, etwa Duolingo zum Sprachenlernen oder Wikipedia zur Wissensdokumentation.

Zum Beispiel? EVApp, die Emergency Volunteer Application, mobilisiert in Gent Freiwillige im Notfall bis zum Eintreffen von professionellen Hilfskräften.

Werkzeug für die Verwaltung? Amazon Mechanical Turk ist ein Marktplatz für Routinetätigkeiten. Wegen arbeitsrechtlicher Vorschriften stehen Microtasking-Plattformen viele Hürden im öffentlichen Sektor im Weg.

5. Crowdsourcing von Daten

Was? Das Crowdsourcing von Daten hilft die Rahmenbedingungen einer Entscheidung, die eine große Zahl Menschen betreffen wird, besser zu umreißen. Das Ansammeln, Aufbereiten und Analysieren von Daten sollte nicht unterschätzt werden und erfordert solide datenanalytische Kenntnisse, die in einem Grundstudium vermittelt werden können.

Zum Beispiel? Street Bump ist ein Crowdsourcingprojekt, um Straßenlöcher auszubessern.

Werkzeug für die Verwaltung? Ushahidi (Swahili für „Beweis“) stellt Benutzern Kriseninformationen zur Verfügung auf ihren Mobiltelefonen.

Die Kraft des Crowdsourcing

Die obigen Beispiele zeigen, dass die Anpassung des Crowdsourcing-Gedankens an den Kontext öffentlicher Einrichtungen erfolgreich sein kann, weil Bürger tatsächlich mobilisiert werden. Crowdsourcing hilft Verwaltungen, ihre Entscheidungsfindung transparenter und kollaborativer zu machen. Die Weisheit der Vielfältigen hebt Verzerrungen und Vorurteile auf, weil sie eine Aggregation und Transformation vieler Standpunkte darstellt.

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