Als politischer Entscheidungsträgerin ist Ihnen natürlich bewusst, dass Bürgerbeteiligung ein Schlüssel für die Schaffung inklusiver Kommunen ist. Um die Ideen Ihrer Mitbürger und Mitbürgerinnen zu sammeln, erstellen sie Papier-Umfragen, Ratshausversammlungen, und manchmal wandern Sie am Sonntagmorgen auf dem Stadtmarkt herum, um den Input Ihrer Bürger zu einzuholen. Aber sind Sie sich sicher, dass sie wirklich von jedem und jeder die Meinung und Ideen gehört haben? Bei allem Respekt – wahrscheinlich erreichten sie Sie nicht.

Warum fühlen manche Menschen kein Bedürfnis Ihre Ideen auf traditionellem Wege mitzuteilen? Nicht leicht herauszufinden, da jedes Individuum seine eigenen Gründe hat. Glücklicherweise gibt es andere Mittel, um einen größeren Kreis an Mitbürgerinnen zur Teilnahme zu ermutigen. Eines davon ist das Hinzufügen einer digitalen Komponente zu Ihrem regulären Bürgerbeteiligungs-Repertoire.

Falls digitale Bürger-Partizipation noch nicht in Ihrer Gemeinde umgesetzt worden ist, dann finden Sie hier drei Bürger-Profile, die Sie wohl noch nicht erreicht haben. Welche wichtigen Ideen werden Sie von ihnen noch hören?

1. Generation Y

Die Generation Y Persona

Jessika ist 30 Jahre alt. Sie machte letztes Jahr ihren Abschluss an der Universität und arbeitet jetzt bei einer IT-Firma als Kundenbetreuerin. Wenn Sie nicht mit Freunden ausgeht oder im Fitnessstudio Sport macht, dann sitzt sie zuhause in der Wohnung und updatet ihre Sozialen Netzwerke – Facebook, Twitter, Pinterest, LinkedIn, Instragram – oder kauft etwas auf Amazon oder Asos ein. Insgesamt ist sie sehr technikaffin. When sie durch ihre Nachbarschaft geht, denkt sie oft darüber nach, wie sie ihre Nachbarschaft schöner machen könnte, aber sie weiß nicht wirklich, wie sie nun dementsprechend handeln soll. Was tun?

Warum ist Generation Y nicht aktiv in Sachen Bürgerbeteiligung?

Sie denken wahrscheinlich eh, dass die Generation Y keinen Sinn in der Bürgerbeteiligung sieht. Oder schlimmer noch, dass sie zu sorgenlos sind, um sich Gedanken über die Zukunft ihrer Stadt zu machen. Täuschen Sie sich nicht. Junge Bürger und Bürgerinnen haben Ideen – und zwar sehr gute. Sie sollten diese Ideen hören, denn wer kann besser die Zukunft Ihrer Gemeinde prägen, so wie die jüngste Generation Erwachsener? Bedenken Sie, dass die jungen Erwachsenen von heute die Verantwortungsträger, Bürger und Wähler von morgen sind. Als Regierung handeln Sie umso weiser, je früher Sie ihnen die Chance bieten an Bürgerbeteiligung teilzunehmen. Warum also nicht von heute an in zeitgemäßer Weise die Zukunft Ihrer Gemeinde mit und für die Generation Y schaffen?

Wie kann Bürgerbeteiligung hier eine Änderung bewirken?

Welch bessere Methode gibt es, um mit Ihren digitalen Ureinwohnern, den Digital Natives, kommunale Bürgerbeteiligung zu lancieren, als Sie dort abzuholen, wo sie bereits sind? Dank der digitalen Bürgerbeteiligung sind Sie in der Lage die Masse junger Menschen zu erreichen.

Ein Weg, um Bürgerbeteiligung für die Generation Y attraktiver zu gestalten, ist, mehr Spaß in die Verfahren zu bringen. Geht das? Ja, durch die Spielifizierung (Gamification):
dadurch, dass Bürgerinnen Belohnungen verdienen, etwa Punkte oder Abzeichen, bekommen sie ein Gefühl für ihre Fortschritte im Spiel, in Folge dessen: eine gewisse Zielstrebigkeit. Je mehr sie positiv zu der Diskussion beitragen durch ihre Ideen und Einsichten, umso besser schneiden Sie unter den Mitgestaltern ab. Möchten Sie mehr darüber wissen, wie die Spielifizierung (Gamification) Bürgerbeteiligung verbessern kann? Lesen Sie dies hier auf Englisch.

Zum Beispiel, auf der CitizenLab-Plattform ordnet der Karma-Score Bürger in eine Rangliste ein. Dieser ist letztlich die Summe der Punkte, welche sie sich verdient haben während ihrer Teilnahme an den Diskussionen zur gemeinsamen Erstellung eines Projekts der Stadt.

Die Mitglieder der Generation Y wollen Dinge passieren sehen – und zwar schnell. Mit der Bürgerbeteiligung im Internet wird das Feedback augenblicklich. Sogar wenn die Ergebnisse einer Debatte nicht in Echtzeit stattfinden, vereinfachen die Tools der digitalen Demokratie folgende Herausforderungen:

1. Ideen in Echtzeit diskutieren, was deutlich besser herüberkommt als ein Brief an die örtliche Behörde
2. einen Überblick über die Projekt-Zeitachse zu haben, um Ideen dann zu teilen, wenn der Zeitpunkt auch passt.

Zudem wirkt die Generation Y im Vergleich zu den Alt-68ern ziemlich schüchtern gegenüber den demokratischen Institutionen. Sie schüchtern sie ein, sodass die Generation Y mehr Vorbehalte hat. Manche junge Mitbürger sind sich nicht sicher, ob ihre Ideen legitim sind und mit wem sie diese teilen sollten. Digitale Bürgerbeteiligung stellt die Mittel bereit, um dieses Problem an der Wurzel zu packen. Die digitale Umwelt ist der Generation Y vertraut, was Hemmschwellen für konstruktive Beteiligung senkt. Dies ist eine der effizientesten Arten und Weisen, um den Mangel an Bürgerbeteiligung an dieser Subpopulation zu beheben. Weiter hilft es diese Bevölkerungsgruppe an etablierte Institutionen überhaupt zu binden.

2. Beschäftigte Bürger

Die Persona des Überbeschäftigten

Markus ist 43 Jahre alt und lebt seit 10 Jahren in einem Vorort. Er arbeitet als Kreativchef in einer Werbefirma in der nächstgelegenen großen Stadt. Nachts bleibt er oft länger im Büro, um weiter an seinen Projekten zu schleifen. Wenn er einen freien Abend hat, dann spielt er Tennis mit seinen Freunden oder isst gemeinsam mit seiner Familie im Restaurant. Am Wochenende geht er gerne auf Fahrradtour im Wald. Oft hat er konkrete Lösungen im Kopf parat, um seine Nachbarschaft grüner zu machen, aber er findet während der Arbeitswoche nicht die Zeit, um diese mit den Verwaltungsmitarbeitern zu diskutieren.

Warum sind die Überbeschäftigten nicht in der Bürgerbeteiligung aktiv?

Über wen sprechen wir hier? Über eine großes Spektrum an Mitbürgern, eigentlich: von Vollzeit berufstätigen Eltern zu Geschäftsfrauen, die Überstunden schieben, und der Vielfalt an hektischen Lebensentwürfen unserer Zeit. Dies sind die Bürger, denen ihre Stadt am Herz liegt, die etwas zu sagen haben und Verantwortung übernehmen können. Jedoch fanden sie nicht genügend Zeit, um ihr bürgerliches Engagement in die Tat umzusetzen. Der schlichte Grund hierfür ist, dass traditionelle Beteiligungsverfahren oft zu zeitintensiv sind.

Denken Sie darüber nach: beschäftigte Bürgerinnen haben oft nicht 2 freie Stunden abends – oder noch unwahrscheinlicher tagsüber – um an Rathausversammlungen teilzunehmen oder Telefonumfragen mitzumachen.

Wie kann digitale Bürgerbeteiligung Ihnen helfen, das Blatt zu wenden?

Was wäre, wenn Sie zu diesen Mitbürgern kommen, statt von ihnen das Gegenteilige zu erwarten? Dank der digitalen Bürgerbeteiligung haben Sie die Macht Ihre Bürgerbeteiligung zu flexibilisieren.

Hinsichtlich der Zeit ist Ihrer Bürgerbeteiligung keine Grenze mehr gesetzt. So findet die digital versierte Demokratie ihren Platz in sogar den geschäftigsten Kalendern. Mit digitaler Demokratie können Bürger ihre Ideen teilen und zu ihrer eigenen Zeit diskutieren.

Der andere herausragende Vorzug der digitalen Bürgerbeteiligung für geschäftige Bürgerinnen ist, dass keine Erwartung physischer Präsenz an sie herangetragen wird, anders als bei Ratshausversammlungen. Mit einer online Bürgerbeteiligung ist bürgerschaftliches Engagement nicht nur allzeit möglich, sondern auch überall. In der Tat, ist unser Beteiligungstool danach designed, „mobile first“ zu sein, sodass es auf Smartphones toll aussieht und genutzt wird.

Wegen diesen Werkzeugen müssen Bürger keine Zeit darauf verschwenden, die Meinungen ihrer Mitbürger in den Kommentarabschnitten ihrer Lokalzeitungen zu suchen oder in aufgeladenen, unsachlichen Facebook-Gruppen. Die Debatte ist an einem Punkt zusammengefasst, was enorme Zeitgewinne bedeutet. Das beste daran ist, dass sogar sehr beschäftigte Bürger am Ball bleiben können dank digitaler Bürgerbeteiligung. Durch eine Mail oder Benachrichtigungen auf ihrem Handy werden sie auf einen neuen Beitrag aus einem ihrer Interessensgebiete aufmerksam gemacht. Vorbildhafte Effizienz!

3. Die Stille Mehrheit: Skeptiker und Abgebrühte

Die Persona der stillen Mehrheit

People walking in city

Marie ist 56 Jahre alt und arbeitet als Direktionsassistenz bei einer Bank. Sie ist alleinerziehend mit zwei Söhnen seit ihrer Scheidung vor 5 Jahren. Marie und ihre kleine Familie leben in einem kleinen Haus außerhalb der Stadt. So wie ihre Nachbarn und Freunde schaut sie schon gar nicht mehr Nachrichten im Fernsehen und vermeidet die lokale Berichterstattung. Sie hat das Gefühl, dass nichts darin ihr Leben betrifft. Während sie sich darum bemüht gut auszukommen, hat sie ebenfalls den Eindruck, dass „die Regierung“ nichts für sie tut. Dennoch ist sie ebenso überzeugt, dass örtliche Politiker keine Zeit dafür zu verwenden haben, anzuhören, was sie zu sagen hat. Zuletzt nahm sie vor 12 Jahren an einer Wahl Teil.

Warum trifft man Mitglieder der Stillen Mehrheit nicht auf Bürgerbeteiligungs-Veranstaltungen?

Verallgemeinerte Enttäuschung durch „die Politik“ – sogar lokale Politik – findet ihre ersten Ansätze oft in lange vergangenen Zeiten. Seit den 70er Jahren hat das Vertrauen der Bürgerinnen in die Politik stetig abgenommen.

Das Misstrauen gegenüber Verwaltung und Politik ist unbestreitbar. Gründe dafür lassen sich in der Nichterfüllung von Wahlversprechen finden, oder im diffusen Gefühl nicht verstanden zu werden. In Großbrittanien kam zu Tage, dass lediglich 17% seiner Bürger ihrer Regierung vertrauen. Dieser Trend ist in ganz Europa zu finden, wenn auch in unterschiedlicher Stärke. Auch wenn diese Situation sehr bedauernswert ist, ist sie nicht unvermeidlich.

Wie kann Bürgerbeteiligung hier Abhilfe schaffen?

Was bräuchte es für die Desillusionierten, um sich wieder in ihren Gemeinden einzubringen? Vom Klagen zur Mitarbeit zu finden? Digitale Bürgerbeteiligung kann diese Botschaft sehr elegant vermitteln: Wir wollen eine bessere Beziehung zwischen Bürger und Regierung versuchen und aufbauen.

Verwaltungsmitarbeiterinnen müssen zeigen, dass sie an den Ansichten aller ihrer Bürger und Bürgerinnen interessiert sind – nicht nur an derjenigen einiger weniger lautstarker oder eloquenter Redner. Hierzu braucht die Verwaltung Werkzeuge, die die Bürgerbeteiligung erleichtern. Daher brauchen wir digitale Bürgerbeteiligung.

Durch eine Online-Plattform können Bürger miteinander Projekte besprechen ohne penibel von Stadtbeamten begleitet zu werden – eine der großen Ängste der Skeptiker. Damit ist eine Plattform ein mächtiges Werkzeug, um die gelebte Demokratie zu verbessern und die Wirkung verabschiedeter Politikentwürfe zu vervielfachen, was bei erhöhter Meinungsäußerung durch Bürger im Rahmen von Bürgerbeteiligungsmaßnahmen der Fall ist. Außerdem schafft Bürgerbeteiligung einen neutralen Ort, an dem Menschen sich äußern können – vor allem im Vergleich mit vor-selektionierten Facebook-Gruppen oder Abendveranstaltungen im Ratshaus.

Schlussfolgerung

Durch die Implementierung einer digitalen Bürgerbeteiligungsstrategie in Ihrer Stadt können Sie ein breiteres Ressort an Ideen anzapfen. In dem Maße, in dem eine Plattform Ihnen neue Bürgerprofile und Personae erschließt, gewinnen Ihre Entscheidungen an Legitimität und ihre Stadt an gelebter Inklusion und Repräsentation von Projekt zu Projekt.

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