In den letzten drei Monaten hat das CitizenLab – Team mehr als zehn Städte und Gemeinden bei der Einführung ihrer Online-Partizipationsplattformen begleitet. Bei jeder dieser Plattformen sahen wir unterschiedliche Beispiele für das Sammeln von Daten über die Bürger. Nun wollen wir sie über diese verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten informieren.

Kombinieren von Stadt–Szenarien und Bürger-Input

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Zwei Städte, Lokeren und Dendermonde, haben das gleiche Vorhaben: sie sind in der Phase der Erstellung eines Masterplans zum Umbau ihrer Bahnhöfe und deren Umgebung.

Wie tun sie dies? Sie stellen unterschiedliche Ideen und Szenarien vor, die die Bürger kommentieren können und gleichzeitig sammeln sie neue Ideen von Leuten, die in der Nähe des Bahnhofs leben, aber auch von Pendlern, Geschäftsleuten vor Ort, usw. Auf diese Weise können alle Betroffenen in der Nachbarschaft mitreden.

Die beiden Städte kombinieren Offline- und Online-Partizipationsbemühungen: Crowdsourcing mithilfe der CitizenLab-Plattform und sind dann vor Ort präsent und organisieren eine Workshop-Woche oder eine Posterkampagne.

Der Input, der während der Workshops in Dendermonde zusammengetragen wurde, wird auch auf der Plattform zur Verfügung gestellt, so dass sie die Anlaufstelle für alle Ideen und Erkenntnisse der Bürger wird. Lokeren plant, die Bürger auch mittels einer Offline-Umfrage, die mit dem Gemeinderundbrief verteilt wird über diese Inhalte zu befragen.  

Dendermonde sucht bereits nach anderen Anwendungsmöglichkeiten für die Plattform, z.B. mit Hilfe der Bürger den richtigen Platz für einen Skatepark in der Stadt zu finden, denn wer kennt den städtischen Raum besser als sie?  

In diesem Anwendungsfall haben die beiden Städte den Bürgern nicht freie Hand gelassen, sondern ihnen einige Optionen vorgegeben. Selbst wenn es so aussieht, als ob dadurch der Entscheidungsrahmen eingeschränkt wurde, es hielt die Bürger nicht davon ab, wohlüberlegte und konstruktive Argumente auszutauschen. Und in solch einem Partizipationsprozess ist die Qualität des Inputs so wichtig wie die Quantität, wenn nicht sogar wichtiger!

Einbindung der Bürger in Flächennutzungsfragen

Zwischen den beiden Gemeinden Overpelt und Neerpelt liegt eine großes Baufeld. Die Gemeinde Overpelt entschied, dass dies der perfekte Ort (in Zentrumsnähe) zur Verdichtung, d.h. zum Bau von hochwertigem Wohnraum ist, wobei die ländliche Identität der Gemeinden berücksichtigt wird.

Wie in Dendermonde oder Lokeren entschied die öffentliche Verwaltung, unterschiedliche Ideen und Vorschläge vorzustellen, wie der leere Raum genutzt werden könnte mit dem Ziel, die Bürger zu inspirieren.

Auch in Meppel, in den Niederlanden, wurde die Plattform mit dem gleichen Ziel genutzt: die Stadt stellte einige Szenarien eines großangelegten Entwicklungsplans vor (Noordpoort) und interagierte mit Besuchern und Einwohnern durch Offline-Events und durch die CitizenLab-Plattform.

In Steenokkerzeel konnten die Bürger unter sechs Mobilitätskonzepten auswählen, am Ende wird eines übrigbleiben. Eine bestimmte Nachbarschaft in der Gemeinde leidet unter starkem Durchgangsverkehr während der Hauptverkehrszeiten (durch den Verkehr von und nach Brüssel) und die immer noch recht ländliche Gemeinde möchte eine Lösung für dieses Verkehrsproblem finden. Dazu stellte sie verschiedene Szenarien vor, die sie umsetzen könnte und fragte die Einwohner, die „Experten vor Ort“, nach ihren Anmerkungen und Meinungen. Die Vorstellung der Szenarien und das Sammeln der Rückmeldungen geschah im Sommer. 2 Szenarien schafften es in die zweite Runde und wurden bei einer Nachbarschaftsversammlung diskutiert. Nach einer abschließenden Abstimmung wurde das Gewinner-Szenario umgesetzt und wird in Kürze getestet.

Das Sammeln von Informationen zu verschiedenen Themen: die offene Ideenbox

Die meisten Städte und Gemeinden, wenn sie die Bürger nicht zu konkreten Themen befragen, öffnen große „Ideenboxen“ , z.B. geordnet nach Themen, in denen die Bürger Ideen vorstellen und deren Umsetzung auf lange Sicht diskutieren können (d.h. es gibt kein festes Enddatum).

In Anzegem, Bassenge und La Hulpe spiegelt sich dies in der Art wieder, wie die Plattform genutzt wird: das Ziel ist es, eine breite Rückmeldung der Bürger zu allgemeinen Themen in verschiedenen Phasen zu bekommen.

Anzegem sucht nach Mobilitätslösungen und Ideen zur Verbesserung der generellen Lebensqualität. Dazu konzentriert man sich auf Anregungen von Jugendlichen und jungen Familien.

Bassenge und La Hulpe arbeiten mit offenen Kategorien, die in einem späteren Stadium eingegrenzt werden sollen.

In Bornem konzentriert man sich zunächst auf eine bestimmte Nachbarschaft. Dort wurde zusätzlich zur Plattform ein kleines Wohnmobil aufgestellt, wo Bürger vorbeikommen und ihre Ideen teilen können. Außerdem werden Flyer mit der Adresse der Online-Plattform verteilt, usw. Was die Stadt wirklich erreichen möchte ist, den Bürgern wirklich zuzuhören, was diese Nachbarschaft tatsächlich braucht.

In Roeselare konzentriert sich die Stadt auf nachhaltige Entwicklungsziele und was man als Bürger oder Gruppe von Bürgern tun kann, um die Stadt nachhaltiger zu machen.Dieses ging Hand in Hand mit einer Kommunikationskampagne (Veröffentlichungen in der Presse, Projektslogan, eigenes Logo, usw.).

 

Was kann man aus diesen Beispielen lernen?

  1. Die CitizenLab-Plattformen können auf vielfältige Weise genutzt werden und sind eine sehr gute Quelle für die Kreativität der Städte (und der Bürger)!
  2. In der Regel verbinden die Städte die Verwendung der Plattform mit Offline-Aktionen um eine größere Wirkung zu erzielen.
  3. Die Städte, die den größten Erfolg beim Sammeln von Rückmeldungen hatten, haben sich bei der Einführung der Plattform und während des ersten Monats ihrer Onlinepräsenz stark auf Kommunikation konzentriert.

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